M u s i k ................

 

 

Sechzehn Jahre alt.........keine Ahnung, aber eines ist mir klar: "Ich werde Musiker...!

 

Mein Vetter Werner Menkens aus Ahlhorn , - sein Vater war  Maurermeister und der Bruder von dem Kneter Bauunternehmer Menkens - hatte mit seinen Kumpels Detmar Claußen, Jürgen Erdmann und Klaus Heine eine Band gegründet. 

Ich durfte beim Üben mal zuhören, und was sage ich euch: " Ich war infiziert!"  

In einer Band aufzutreten hieß aber, du musst ein Instrument spielen können. Schlagzeuger wollte ich sowieso nie werden und mit dem Bass, konnte ich nichts anfangen, der hatte ja nur vier Saiten,  also beschloss ich für mich: " Eckart du wirst Gitarrist und Sänger.

Man muss dazu wissen, es war das Jahr 1961 und die Beatles hatten noch gar keinen Hit, die Stones begannen auch gerade und die Searchers waren zu der Zeit die Top Gitarrenband in der Welt - "Needles and Pins" war der Hit. Das ganze nannte sich BEAT und wurde, wenn eben möglich mit drei Gitarren und Schlagzeug gespielt. Das wichtigste hätte ich jedoch bald vergessen, die Musik musste sehr, sehr laut sein und die Haare sehr, sehr lang. Das Schöne war, man brauchte sich in der Zeit nur fünf oder sechs Topbands zu merken - mehr gab es nämlich nicht.

 

Ich hatte, wie bereits unter Kindheit, Teil 2 erwähnt, ja angefangen, bei unserem Vikar Jürgens Gitarre zu erlernen. Das gute war, dass man sich zu der Zeit nicht so wahnsinnig viele Harmonien und Griffe merken musste. Die drei Grundgriffe jeder Tonart, und die parallele Molltonart - das reichte für`s erste.

Erst als die Beatles aufkamen, war es mit der Einfachheit vorbei, die packten doch frecher Weise, tatsächlich zehn verschieden Griffe in ein Lied  - darum habe ich sie am Anfang auch nicht gemocht, kann man doch nachvollziehen, oder?

 

Der Anfang ist gemacht.....................

Zum Jahreswechsel 1961/62 war der Wirt der Gaststätte Nadermann, in Ahlhorn - heute steht dort das "Ofenhaus" und das "New Amsterdam" an der Wildeshauserstraße - so nett und so mutig, uns zu einer Silvesterfeier zu engagieren.

Wie das dann letztlich alles geendet hat, und ob die Leute zufrieden waren oder nicht, ist mir gar nicht mehr so in Erinnerung. Wichtig war nur, wir hatten bewiesen, dass man mit Gitarre, Akkordeon, Saxophon und Schlagzeug richtig Musik machen konnte. 

Als Verstärker dienten damals die herkömmlichen Radios aus der Wohnung, das hatte den Nachteil, wenn man zu laut spielte, verzerrten die Dinger so, dass man nichts mehr unterscheiden konnte. 

Wenn man bedenkt, dass man später für extra hergestellte "Verzerrer" viel Geld ausgeben musste, waren wir doch der Zeit damals schon weit voraus.....oder?

Wie schon erwähnt ging es dann schon bald in der Kasinogaststätte in Ahlhorn weiter. Ich kam dann erst so richtig zur Band "Black Stars" dazu, und weiß noch ganz genau, welchen Titel ich als ersten singen durfte und wollte: "Addios Amigo" von Sascha Distel - einem Franzosen. Das Lied begann eigentlich mit dem Pfeifen der Melodie, nur leider musste das Flöten ausfallen. Ich war so nervös, dass ich vom Kopf bis zum großen Zeh in einer Tour gezittert habe, und außer heißer Luft nichts über meine Lippen kam. Es hat dann im zweiten Anlauf besser geklappt, und wir haben dann vom Publikum noch viel Beifall bekommen - für ein langsames Lied - dass war in der Zeit nicht selbstverständlich, war doch eigentlich der "Beat" angesagt.

 

 

Erste Musikererlebnisse - viele schöne, aber manchmal .................na ja!

Wenn ich auch nie ein großer Gitarrist geworden bin, hat mir dieser Unterricht doch die Tür zur ersten Band aufgestoßen. " BLACK  STARS"  hießen wir und waren unheimlich gut - glaubten wir wenigstens - und ich muss sagen, die Veranstaltungen waren auch oft sehr gut besucht. Ich kann mich noch gut an unsere Auftritte im T S P im Kasinowald in Ahlhorn erinnern. 

Ich muss glaube ich kurz erklären was TSP hieß. Ganz einfach: Titten Schwung Palast ...ha, ha. 

Ahlhorn hatte zu der Zeit noch jede Menge amerikanische und deutsche Soldaten und jeden Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag ging es rund im TSP. Die Mädels kamen damals meistens aus der Cloppenburger Gegend und so hat auch unser damaliger Solo Gitarrist Werner seine heutige Frau kennen gelernt. 

Als Gage gab es entweder frei Trinken und ein Aalbrot, oder 20,- DM. Die zwanzig Mark haben wir nie genommen, sondern lieber Becks bis zum Abwinken. Das tolle war wenn wir wegen der Alkoholmenge nicht mehr konnten oder nicht mehr wollten, hörten wir einfach auf............und keiner war sauer, seltsam. 

 

 

 

 

Meine tolle Zeit bei der Band "SAMBESIS".....................

Der Gitarrist  Dieter Rohde und ich waren in dem Jahr 1963 beide bei der Post in Cloppenburg tätig, allerdings war ich noch in der Ausbildung. 

Wir beide wollten unbedingt was auf die Beine stellen. Ich hatte ja nun ein wenig bei den Black Stars abgeschaut, und er konnte "richtig" gut Gitarre spielen................so Solo Titel von den Shadows und den Spotniks - war echt stark.

Toll, nur zu zweit......, ging nicht. Also wenigstens einen Schlagzeuger auftreiben.

Wir "trieben" einen auf....., hätten wir allerdings damals schon gewusst, auf was für einen "Vogel" wir uns da eingelassen hatten............, na herzlichen Glückwunsch.

Hermann....,  - den Nachnamen spare ich mir - war schon so um die vierzig, war mal Drucker gewesen, hatte eine Bleivergiftung bekommen, und eine Menge  Zähne waren ihm ausgefallen. Er wurde Frührentner, neue Zähne gab es mangels Geld nicht, und so lief er eben so rum........, na ja!

Was soll`s........, zwei Sachen konnte er wirklich gut:  Leute belabern, und organisieren. Die viele familiären und sonstige Negativsachen spare ich mir, das ist sein Problem.

Wir bekamen wenigstens in Varelbusch - in der Nähe von Cloppenburg - bei der Gaststätte Elsen die Möglichkeit Musik zu machen,  wenn................!  Ja wenn....., wenn wir die Bühne selber bauten, und die Saaldecke mal eben vertäfelten.......ha, ha!

Ich sage euch, es hat geklappt.......: wir haben gemessen, gesägt, gehämmert - haben mit Eierkartons die Decke beklebt, und............. es war super gemütlich und wir waren stolz ohne Ende.

 

Dann die erste Zeitungsanzeige: Samstag ab 20:00 Uhr Tanz mit der Schlagerkapelle "Sambesis". 

Wir trugen helle Hosen und grüne, glitzernde Jacken, und nannten uns "Showband"..............die Show waren wohl die fehlenden Vorderzähne von unserem Drummer, der immer am Ende das Abends: La - le - lu......nur der Mann im Mond schaut zu..............von Heinz Rühmann sang.

Wenn man heute das so liest, fragt man sich:" wie haben die denn mit Schlagzeug und zwei Gitarren Musik gemacht.......ohne Bass??

Leute..........., ich weiß es auch nicht mehr genau, aber es hat alles super geklappt! 

 

Der Laden war zwei Jahre lang,  - dreimal in der Woche - gerammelt voll, und alle waren zufrieden. Erst die Gruppe TRIO versuchte es 1981 wieder ohne Bass......, war also gar nicht so neu, seht ihr!!

 

 

Einmal sind wir als "norwegisches Toptrio auf der Durchreise"  - wieder mal so eine Idee von unserem Schlagzeuger Hermann - in

Mansie bei Westerstede aufgetreten. Es hat kein Mensch etwas gemerkt, und es gab 400,- DM - ...........für die Zeit eine Stargage.

Heute noch habe ich zu meiner Frau gesagt:" Wo haben wir damals nur die Frechheit her genommen?" 

Konnte sie mir auch nicht erklären, aber vielleicht,  - oder sogar gewiss, - war es schon damals der unbedingte Wille und das unerschütterliche Selbstvertrauen der Jugend. 

 

 

Stationen meiner Musikerlaufbahn in den Jahren 1964 - 1966

Ich glaube, es ist am einfachsten, wenn ich euch mal so die Orte, in denen wir zum Beispiel als "Racketeers" gespielt haben, aufliste, und dazu eine kleine Geschichte erzähle. Einverstanden? Ok........, dann geht es jetzt los. 

 

 

Die Hafenkneipe "Melodie" in Brake..............

Irgendwann wurden wir in Brake engagiert - ein bekannter Kollege sagte mal: " Wer in Brake nicht gespielt hat, ist für das harte Musikgeschäft nicht geeignet" - eine Kneipe am Hafen mit einer kleinen Bar und einer Küche, in der die Ratten über den Tisch liefen. Wir haben deshalb auch immer mehr getrunken, als gegessen......ha, ha!

Die Tanzschuppen in Brake hatten zu der Zeit einen ganz großen Vorteil für uns Musiker. Frauen waren satt da, das Publikum - meist Matrosen - wechselte mit den ankommenden Schiffen, sodass wir nicht mehr als dreißig Titel beherrschen brauchten. Es wurde immer locker wiederholt, und alle waren es zufrieden.

Ich kann mich an zwei Titel aus der "Melodie" besonders erinnern: You better move on.........und Under the Boardwalk von den Stones.

Es war eine herrliche Zeit, und wie gesagt für uns junge Hüpfer eine harte, aber wichtige Schule.

 

"Admiral Brommy Brake...............

Das Tanzlokal "Admiral Brommy" lag damals genau an der Weser, und war, wie man so schön sagt: "gehobener Standard" gegenüber der Melodie. Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag wurde gespielt, und es war wirklich meistens voll.

Das Brommy hatte was,........... man spielte viel Tanzmusik, natürlich auch Beat - Der Titel "My Generation" von den WHO kam gerade heraus - aber wie gesagt, es hatte Niveau.

Ganz wichtig, waren die Essenspausen mitten am Abend. Wir durfte dann - so gegen 23:00 Uhr - für eine halbe Stunde in den Imbiss von Beckmanns an der Ecke Breite Straße. Da gab es dann umsonst - die haben dann mit dem Brommy abgerechnet - eine RIESEN CURRYWURST. Ich sage euch so etwas schmeckt ja mal ganz gut, beim zweiten Mal eher witzig........., aber jedes Mal.......nee, bah!!

 

 

"Ratshalle" Brake..............

Die gute alte "Ratshalle. Immer schmuddelig, immer unaufgeräumt, und viel zu dunkel..................., aber etwas hatte dieser Laden, was die anderen nicht hatten, nämlich Atmosphäre.

Die Kulisse war schon toll, mit den Hochhäusern im Hintergrund, alles in schwarz gehalten, und ganz wichtig: mit Scheinwerfern am Bühnenrand. Das gab es zu der Zeit nirgendwo.

Satisfaction von den Stones war der Titel in der Zeit, und Mick Jagger der Schwarm aller Mädchen und der Jungs.

In die Ratshalle integriert war damals die Bar, die "SPINNE", und das war für uns Musiker zwar ganz witzig - man ging im Anschluss an den Tanzabend mal eben rein - nur das negative war, unser gerade sauer verdientes Geld ging gleich wieder den Bach runter. 

Wenn dann doch noch etwas übrig geblieben war, wurde es im  Poggenhof, in der Breiten Straße verzockt. Mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich dran denke, dass wir drei Stunden gepennt haben, um dann zum Frühstück gleich wieder Bier zu trinken.........Wahnsinn. War aber schön........doch wirklich.........., war schön!

 

 

 

 

Der "Arberger Hof" in Bremen............

Die Tage in Bremen waren immer richtig gut, zumal wir dort auch oft mit irgendwelchen Topbands als Vor- und Nachgruppe auftraten. Der Hammer war jedoch der Auftritt der "Besten Damenband Europas" den "LIVERBIRDS". Mein Gott, die Mädels sahen ja wirklich nicht schlecht aus, aber die musikalischen Fähigkeiten........, eine einzige Katastrophe. Wir haben dann fast den ganzen Abend gespielt, und die Mädels haben gesoffen.

 

 

 

Hotel Meyerhoff in Hagen-Börsten............

An den Auftritt über Pfingsten - 3 Tage mit zwei Bands - denke ich auf der einen Seite gern zurück, weil die zweite Band aus Quakenbrück richtige Kumpels waren, und wir neben der "Mucke" auch viel gefeiert haben. Aber das schlimmste kam erst am Pfingstmontag: Wir hatten für Unterkunft, Essen und vor allen Dingen für Getränke soviel zu bezahlen, dass ich selbst noch 30,- DM dazu bezahlen musste

 

Das "Astoria" in Oldenburg................

Im späteren "Zillertal" an der Ecke Alexander-Nadorsterstraße fanden dreimal im Jahr Bandwettbewerbe statt. Die Besten durften dann auf Bundesebene spielen, und ihnen winkte ein Schallplattenvertrag bei der "HANSA". Wir waren angemeldet unter dem Namen "Hurrikan Beats", und hatten vorher schon abgemacht, wer - wenn es denn Tomaten oder andere Gegenstände regnen sollte - hinter welcher Lautsprecherbox in Deckung ging. Ganz so schlimm war es dann nicht, aber gewonnen.................., gewonnen haben wir auch nicht!

 

Hotel Taphorn in Cloppenburg...........

In der Zeit 1965 - 1967 gab es auf der Weser Ems Ebene viele Beatfestivals, wo immer drei oder mehr Bands auftraten, um zu ergründen wer denn in der Zuschauergunst ganz oben stand.

Wir waren nicht nur mutig, sondern auch gut - gesanglich waren wir kaum zu schlagen - und traten mit drei Titeln zum Bewerb an. Zwei wilde Dinger und ein Lied von Roy Black, dem Schnulzensänger der 60er schlechthin. Ihr werdet es nicht glauben wir haben den Titel "Das Lied das meine Mutter sang" dreistimmig interpretiert, und................ gewonnen!

 

 

Das "La Palma" in Delmenhorst...........

In der Kneipe haben wir damals fast zwei Jahre gespielt, und die Hütte war dreimal die Woche brechend voll. Mr. Tambourin man, Down in the Boondocks, und Monday, Monday fallen mir spontan ein. Es war eine wunderschöne Zeit, und wir hatten damals die ersten Dynacord Gesangsboxen.........irre! Die Mädels waren auch sehr aufgeschlossen, sodass wir eigentlich selten bei voller Besetzung spielen konnten..............., irgendeiner war immer "beschäftigt".

 

 

"Stern Bar" in Cuxhaven..................

Wir wurden damals von der Musikorganisation "IMPREF"...........was auch immer das hieß - gemanagt.

Wir also Freitags los,  - Stau auf der Bahn - Kneipe nicht gefunden - was soll ich sagen um 20:00 Uhr war eigentlich Auftrittsbeginn, wir fingen so gegen 22:00 h an. Alles schien gut, der Laden war voll, die Nacht brauchten wir auch nicht alleine verbringen, na ja...........so weit so gut.

Am Sonntag Abend 24:00 Uhr wollten wir abrechnen: " Ja, sagte der Wirt, am Freitag zwei Stunden zu spät begonnen, das sind ungefähr 1.000,- DM Verdienstausfall.......und noch so ein paar Kleinigkeiten. 1200,- hättet ihr bekommen,............ich denke wir machen da nichts von, wenn ihr schnell verschwindet ist das OK, ansonsten muss ich mir überlegen, ob ich nicht noch von euch Geld dazu haben muss!"

Herzlichen Glückwunsch..............,unser Kumpel Helmut Huntke, der uns abholte, hatte Gott sei Dank noch zwei Scheiben Brot im Handschuhfach, sonst hätten wir gar nichts zu Essen gehabt. Dort haben wir nie wieder gespielt...........ach, habt ihr euch schon gedacht?!

 

 

 

Selbst ist der Mann.....................

In diesen Jahren war Eigeninitiative gefragt, und so schafften wir es, aus dem alten Saal bei Rönnau - liegt heute noch an der Ausfahrt von Ahlhorn Richtung Wildeshausen - durch schwarze Folien einen gemütlichen Raum abzuteilen, um dann dort auf eigene Kasse Beat Abende zu veranstalten. 

Hat super geklappt und wir haben so manche Mark verdient, die wir aber auch dringend zur Anschaffung neuer Instrumente und Verstärker brauchten. Vielen Dank da noch mal an meinen Onkel Willi Menkens, der uns nicht nur bei sich proben ließ - wie haben die "Alten das bloß ausgehalten - sondern auch uns das Geld für die Anlage vorstreckte.

 

 

Wir hießen damals Racketeers......hier im Arberger Hof in Bremen    Wir waren international................

In diese Zeit fiel auch ein Auftritt in Holland, in Coevorden, bei dem wir sage und schreibe den Gitarristen von den Byrds - die hatten damals den Hit "Mr. Tambourinman" - kennen lernten und der dann sogar ein paar Wochen bei uns mitgespielt hat. Kip Luers hieß der junge Mann glaube ich.

Ich werde mir glaube mal die Mühe - oder besser gesagt - Freude machen müssen, über die einzelnen Erlebnisse ein kleines Büchlein zu schreiben, weil die ganzen Geschichten sicherlich die Geduld eines Homepagelesers zu sehr strapazieren. 

Wenn ich da an die Zeit als "Racketeers" in Brake, Delmenhorst und Bremen denke........... - mein Gott, das wären allein schon zwanzig Seiten.

 

 

 

Spaß und Disziplin...................

Stand bei den Bands, bei denen ich den frühen Sechzigern mitspielte oder deren Bandleader ich später war - einer muss ja den Ton angeben - der Spaß aber auch leider die Unzuverlässigkeit im Vordergrund, begann spätesten im Jahre 1968 der Erfolg , gepaart mit Disziplin, unser Tun zu bestimmen. Verträge wollten und mussten eingehalten werden, Konventionalstrafen drohten und wir wurden ja auch langsam älter und "vernünftig"....wenigstens so ein bisschen!? Ich kann mich an den Begriff Disziplin und  "Vertrag ist Vertrag"  leider besonders schmerzvoll erinnern, starb doch im Jahr 1969 mein Vater. Das war an einem Donnerstag - Montag war die Beerdigung - ich musste aber am Samstag auf der Bühne stehen, was mir sehr, sehr schwer gefallen ist, wie ihr euch denken könnt, aber "The Show must go on"!

 

                     "UNION  FIVE"    

        Eine Band und eine Freundschaft wird geboren..........!

Das Jahr 1968 liegt mir einfach so klar im Gedächtnis, weil es das Geburtsjahr einer ganz tollen Band - der Beginn einer intensiven Freundschaft - und das Begreifen und Erleben von wirklichen Erfolgen beinhaltet.

                        " UNION  FIVE "  von links: Joey, Ich, Kalle, Roland und im Hintergrund Ludwig

 

Die fünf zusammengehörigen - die vereinten Fünf - wie auch immer. Ich weiß nur, dieser Name stimmte für drei Jahre in jeder Hinsicht, und wurde in der Zeit ein Synonym für Freundschaft, Leistung und Erfolg.

Die Band bestand aus dem Schlagzeuger Roland Grosser aus Golzwarden, dem Pianisten, Gitarristen und Trompeter Karl-Heinz Knagge aus Schneiderkrug, unserm Saxophonisten, Drummer und Keyborder Josef Bohmann aus Deindrup bei Langförden, meiner Person als Sänger - das war damals modern, nur Sänger zu sein - und last not least unserem "Kleinen" Ludwig Eilers aus Kneten - ein begnadeter Sologitarrist, der nur einen Fehler hatte und hat: er wusste, weiß und glaubt das bis heute nicht.

Wir waren eigentlich nur angetreten, damit in Döhlen  - der Döhler Krug existiert heute noch -  endlich "richtige" Musik, nämlich Beat und Rock, und nicht mehr diese "Hutschikutschi Mucke" der "Missouris" die Leute fesseln sollte. 

Das war aber gar nicht so einfach. Erst über den positiven "Umweg Westerburg und Oberlethe kamen wir dann auch nach Döhlen, und was soll ich euch sagen es war wahnsinnig. Jeden Samstag oder Sonntagabend - in Oberlethe - war die Hütte voll. Um 20:00 Uhr !!  war der Laden so voll, dass wir als Musiker es schwer hatten zur Bühne zugelangen.

Wir Freunde von den "Union Five " erlebten wirklich drei Jahre wie im Rausch - die Resonanz war überwältigend - die Gagen stiegen auf die für damalige Zeiten sensationelle Höhe von 1.200,- DM für einen Abend - und die Mädels mochten uns - um es mal harmlos zu umschreiben -  sehr!!

Wir haben uns aus Anlass des 50sten Geburtstag von Karl Heinz Knagge mal wieder getroffen und ich muss sagen es war, als wenn die Zeit stehen geblieben wäre. Selten hat ein letztlich kurzer Lebensabschnitt so erfreuliche und nachhaltige Wirkung hinterlassen 

 

Eine lange Verbindung beginnt...................

Wenn ich bedenke das ich genau zwanzig Jahre Musik als Mitglied einer sogenannten  "TOP  40 BAND" gemacht habe - es waren bestimmt 12 oder mehr verschiedene Gruppen - hat mir diese Zeit viel..........., sehr viel gebracht, und eben auch das Glück beschert, meine jetzige Frau kennen gelernt zu haben.

Es war am 17.Januar 1968 - ich weiß das noch so genau, weil meine Marlies da Geburtstag hatte - wir spielten im "Liener Krug" in der Nähe von Elsfleth, und sie war mit ihren Freundinnen Karin und Gisela zum Feiern gekommen. Aber das lest bitte auf der Extra Seite Hochzeit und mehr........!

Zum Inhaber des Liener Kruges - den Namen spare ich mir hier -  gibt es noch eine schöne Geschichte: Als wir einmal nach Ende der Veranstaltung in das Wohnzimmer kamen um abzurechnen - damals gab es so 50,- pro Person - lag er mit einem Kleinkalibergewehr auf der Couch und sagte nur:" Heute war nichts los, es gibt kein Geld, und jetzt haut ab!"

Wir haben dann nicht versucht unser Geld zu bekommen, aber gespielt haben wir dort auch nie wieder.

Mit dem "kleinen" Ludwig - er wurde im Februar diesen Jahres auch schon neunundvierzig - verbindet mich heute noch eine angenehme und intensive Freundschaft, die wir beide sehr genießen.

Ludwig in den Sechzigern bei seinen "Union Five"    Ludwig in den Achtzigern..........     Segeln auf dem Mittelmeer, das ist Lebensqualität

Aus der Zeit als "UNION  FIVE"  schickte mir mein damaliger Schlagzeuger Roland Grosser untenstehendes Büchlein und schrieb folgendes:

Das tolle Büchlein von Roland Grosser...........

 

Hallo Eckart...........,

 

anbei ein Ausschnitt aus meinem persönlichen „Logbuch“,  - hier die Zeit, in der insbesondere die Tanzläden "DÖHLER KRUG"  und "DEBIEL-WESTERBURG" endlich durch uns zum „Leben erweckt wurden“ - 

Es war wirklich eine unglaublich tolle Zeit als UNION-FIVE-Mitglied, auf die ich stolz bin, und nicht missen möchte.

 

Darüber hinaus fand ich noch folgende bemerkenswerte Eintragungen (hier einige Auszüge):

 

         Am 14.07.68: Erster Auftritt der UNION FIVE mit Eckart, Kalle, Josef , Roland und Ludwig in Ahlhorn auf dem Schützenfest. 

         Ludwig  war gut.

 

Danach erfolgten sehr erfolgreiche Auftritte „mit irren Erfolgen“  im Brommy (Brake), in der Strandhalle Harriersand (Brake) usw. 

Angebote an unsere Band „UNION FIVE“ als Berufsmusiker tätig zu werden mussten abgesagt werden, keiner von uns wollte den bisherigen Beruf bzw. das Studium „an den Nagel hängen“. 

 

Im August 1968 musste wegen der bestehenden Verträge eine Tournee als Begleitband mit den LORDS abgesagt werden.

 

Am 06.04.69: Gespielt in Westerburg, Obwohl die FOUR KINGS  in Oberlethe und die PARTY-BEATS in Achternholt gespielt haben, war bei uns volles Haus wie immer.

 

Am 19.04.69 in Westerburg: Um 8:00 Uhr schon mehr als 150 Frauen!! Brechend voll!

 

Am 26.04.69 im Döhler Krug: ca. 700-750 Leute, voller geht’s nicht.

 

Am 28.06.69 in Westerburg, Absoluter Besucherrekord! Zusätzliche Tische mussten reingeschleppt werden, brechend voll.

 

Die Eintragungen bei den Spieltagen wiederholten sich: „astrein“, „brechend voll“, „absoluter Besucherrekord“, „obwohl überall Tanz war, bei uns: brechend voll“, usw usw..

 

Am 02.11.69: Oberlethe: Absoluter Rekord, Um 8:00 Uhr lange Besucherschlange vor der Kasse bis nach draußen. Wahnsinn!!

 

Am 25.12.69 in Oberlethe, absoluter Rekord, 930 Karten verkauft, übervoll!!

 

Am 29.03.70 in Oberlethe: so voll war’s noch nie.

 

Am 30.03.70 in Westerburg: ich war noch nie so voll...... und, und, und!

 

Am 18.07.70 Zum letzten Mal in Westerburg gespielt in dieser Besetzung.

 

   

          Herzlichst

 

          Roland Grosser

Ja mein lieber Roland, du hast recht, es war eine tolle Zeit, die ich nie vergessen habe......., und wenn ich an meine Musikerzeit ab und zu denke, dann fällt mir als erstes die Band "Union Five" ein............, ist so!.

 

Willi Bach ,ich, Kurt Bröker und am Schlagzeug Werner Brandes, das waren eine Zeit die UNION  FOUR"Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" - bis zu diesem Titel der Gruppe "TRIO" war damals noch ein weiter Weg - aber irgendwie passte es auch zu unserer Band, und wir haben uns anderweitig orientiert. Ich gründete dann die Gruppe mit dem einfallsreichen Namen "Union Four".

Der Grund für diese "Naivität" war aber einleuchtend, wollten wir doch damit unseren Fans signalisieren: "Hallo wir sind immer noch da, mit anderem Namen zwar, aber der gleichen Musik!"

Das war leider ein Trugschluss. Der Erfolg lässt sich nicht zwingen und die Band "United Four"  - nicht identisch mit der heutige Formation - machte in Großenkneten bei Kempermann eben für die Zeit die aktuellere und bessere Musik. 

                       

Kurt Bröker als Gitarrist bei den "Beathovens"Ich habe irgendwann in meinem Gästebuch mit Freude einen Eintrag von Kurt Bröker - heute Musiklehrer und Gitarrist der Oldie Band " Beathovens  aus Bremen gelesen, der sich für die tolle Zeit in den Anfängen der Siebziger bedankt, und ich muss sagen, Kuddel war damals schon ein Riesen Gitarrist - wir spielten lange zusammen in einer Gruppe - ich denke da nur an die Zeit in Spohle  - und besaß die Gabe alles sehr locker zu nehmen und allem noch etwas positives abzugewinnen. Sein überregionaler Erfolg mit der jetzigen Band  - ich habe sie zweimal genießen dürfen - ist anerkennenswert, und in Verbindung mit den anderen drei Musikern nicht zufällig.

 

 

 

Als ich 1975 bei den HAZE of YELLOW anfing  Ich soll groß rauskommen.....................

Irgendwann im Jahr 1974 war es  - ich spielte gerade in Hausstette bei Tiemerding - das war so der Kultladen in Südoldenburg, da wurde anfangs nur Sonntags gespielt - warum weiß kein Mensch - als zwei Mitglieder der damals, mit den Four Kings zusammen die Szene beherrschenden Band "HAZE OF YELLOW "auftauchten. 

Na dachte ich, haben die heute keinen Job, oder was wollen die gerade hier? Na gut wir kannten uns schon - ich hatte die Band schon viele Male besucht, und fand ihre Musik schon damals faszinierend - so setzte ich mich in der Pause mal zu ihnen. 

Hans Doebelt -  Keyborder, Perfektionist und Sohn des Managers der Band sowie  Holger Remde - Bassist und Chef der Gruppe - fragten mich doch tatsächlich, ob ich mir vorstellen könne bei ihnen einzusteigen. 

 

Ich, .............der "Wild- Wald und Wiesen Gitarrist" mit zugegeben Maßen passabler Stimme, sollte bei den großen" HAZE OF YELLOW"

mitspielen!!??  Ich hab dann noch mal nachgefragt, aber die meinten das wirklich ernst.

 

Ich habe an dem Abend glaube ich kaum noch den richtigen Ton getroffen, aber das war egal. Ich war viel zu aufgeregt und angenehm überrascht - und das mit dreißig Jahren - als das mir das an dem Abend was ausgemacht hätte.

Ich habe noch Nachts meine Marlies geweckt, um ihr die Neuigkeit zu erzählen. Ihre einzige und im Nachhehrein richtige Reaktion war: " Ist doch toll, dann mach das doch!"

"Dann mach das doch........ha, ha, so einfach war das ja auch nicht. Hatte ich überhaupt die Klasse und Fertigkeit das zu schaffen?"

Was soll ich sagen, Marlies hat mich überredet - dafür bin ich ihr noch heute dankbar, ich hätte es mir glaube ich nicht so zugetraut - und ich bin hin zum Vor - spielen und singen.

Was soll ich sagen, sie haben mich genommen und ich, ich gehörte ab jetzt wirklich dazu!

Es waren fast sechs tolle Jahre, in denen es Erfolge, Auftritte mit großen ausländischen Bands, Begleitung von Schlagerstars, und riesige Auftritte bei Galaabenden gab. Wir waren aber auch sehr fleißig und dadurch nicht zufällig so angesehen, und hatten eine für einen normale "TOP 40 Band" riesige Fangemeinde. Ich erinnere mich immer wieder gerne an die Auftritte im "Schusterkrug" in Wagenfeld, wo tausend Zuschauer ganz normal waren.

Es hat wirklich keinen Sinn, diese Jahre in Einzelheiten zu schildern, aber sie waren für meine persönliche Entwicklung sehr, sehr wichtig.

 

     Die Haze of Yellow: v.l. Hans - Matthias - ich - Holger - Norbert      Wir HAZE im Schusterkrug  Wagenfeld  - Matze ist leider verdeckt

 

Tage der Entscheidung..................

Da ich aber bei den "Haze" der einzige war, der neben der Bandtätigkeit noch ganz normal arbeitete und auch noch meinen geliebten Fußball hatte, musste ich mich notgedrungen irgendwann entscheiden - ich wog nur noch 68 Kilo bei einer Größe von 1,95 Meter. Alles zusammen ging also nicht, die Post sausen lassen war unverantwortlich - schließlich hatte ich auch eine Familie abzusichern - und den Fußball konnte und wollte ich nicht vernachlässigen. 

So entschied ich mich gegen alle Vernunft und alle noch so tollen Gagen - ein guter Geschäftsmann werde ich wohl nie werden, dafür lasse ich zu oft meinen Bauch und mein Herz entscheiden -  gegen die Musik und für den Sport. 

Ich habe es aber nie bereut, denn die Erlebnisse beim Fußball waren ebenso, wenn nicht sogar mehr, intensiv und schön wie bei der Musik. Der Grund dafür ist aber ganz einfach: Man ist immer mit jungen , aktiver und positiv verrückten jungen Menschen umgeben, und das ist eigentlich schon das ganze Geheimnis.  

 

In den darauf folgenden Jahren habe ich dann noch einmal bei einer junge Band hier aus der Nähe ausgeholfen, aber wenn man doch,  sag ich mal verwöhnt ist - was so Organisation, Professionalität etc. betrifft, dann war ich schon erschrocken, als ich bei einem Galaabend in "Sanders Tandiele" in Vechta bemerke, das unser Bassist ohne Schuhe auf der Bühne stand, weil er es bequemer fand. Na ja, ich habe dann gekündigt, und habe dann noch zwei Jahre mit meinem alten Kumpel Dieter Niegel Disco gemacht. Wir nannten uns damals "DISCO mit DUO", und waren wohl erfolgreich, aber so richtig Spaß........, nee, wenn man mal Musiker war, ist Disco nicht das Richtige.

1988 im November wurde ich dann auch aller "Sorgen" um meine musikalische Karriere enthoben. Man stellte bei mir , durch die jahrelange Überlastung durch Singen, Rauchen, Trinken und, und, und.........., Stimmbandkrebs fest, und eine Operation ließ sich nicht vermeiden. Es verlief aber Gott sei Dank alles sehr positiv, und nach drei Jahren konnte ich schon wieder einiger Maßen sprechen.

Ja, mit Singen und Musik war es dann also vorbei, aber ich habe es nie bedauert, denn die fast 20 Jahre hatte ich auch sehr genossen, und hatte nie das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben. Es waren tolle, anstrengende, lehrreiche aber vor allen Dingen schöne Jahre, die ich jedem jungen Menschen, der Lust zur Musik hat, nur empfehlen kann.

 

Ich habe noch wahllos ein paar Fotos aus der Zeit angefügt. Für mich verbirgt sich hinter jedem Bild natürlich eine kleine Geschichte, aber das alles aufzuschreiben, würde nicht nur jeden Rahmen sprengen, nein......, das wäre auch gar nicht so wahnsinnig interessant für andere.

 

1975....., rank und schlank und voller Unternehmungslust!      Mit meiner SG Standard in Döhlen      Mein Vetter Werner Menkens.........      Bassist Jürgen Erdmann

"Haze of Yellow" im Schusterkrug in Wagenfeld          Hans Doebelt und ich in Döhlen       Rosenmontag in Döhlen...., ganz rechts Rolf Grotelüschen, damals Beleuchter und Mischer

Zeitungsannonce zu meiner Abschiedsfeier im Döhler Krug              Eckart, Dettmar Claußen, Werner Menkens und Jürgen Erdmann als "Racketeers"            Nach drei Tagen Musik und Alkohol......einfach nur fertig........!

Die "Black Stars" in Holterfehn ohne Eckart          Als Union Four" im Spohler Krug         Die "Racketeers".............jung, verrückt und erfolgreich!

 

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